
Aktion zur Kommunalwahl
Wir fragen die Bürgermeisterkandidat:innen: Woran können Bürgerinnen und Bürger am Ende ihrer Amtszeit erkennen, dass Melle beim Klimaschutz vorangekommen ist?
Die Weichen dafür, ob wir, unsere Kinder und Enkelkinder in Melle zukünftig ein gutes Leben haben werden, werden jetzt gestellt. Schon jetzt ist klar, dass Hitzesommer, Trockenheit und Stürme unsere Landwirtschaft, unsere Städte, unsere Gesundheit und unseren Alltag grundlegend verändern werden.
Nach dem Motto „Global Denken – Lokal Handeln“ sind die Kommunen jetzt besonders gefordert. Melle hat sich ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm gestellt. Wie werden Sie es umsetzen, sofern Sie im September zur neuen Bürgermeisterin, zum neuen Bürgermeister gewählt werden?
Woran können die Bürgerinnen und Bürger am Ende Ihrer Amtszeit erkennen, dass Melle beim Klimaschutz vorangekommen ist?

Antworten der Bürgermeisterkandidat:innen
Jutta Dettmann (SPD)
Seit BGM-Wahl im November 2021 hat sich viel getan. Wir haben:
- Die Anschaffung von Lastenrädern gefördert
- Den Einbau von Zisternen für Regenwassernutzung im Garten gefördert
- Vielfältige Naturschutzmaßnahmen über die Richtlinie „Naturnahes Melle“ gefördert
- Die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz für das kooperative Projekt „KLAr Melle“ gefördert -> Lebensraumschutz dient auch dem Klimaschutz, um für die vorhandenen Tier- und Pflanzenarten Refugien und ein grünes Netzwerk zu schaffen, dass den Umgang mit dem Klimawandel erleichtert.
- Radwegekonzept erarbeitet und Mobilitätsbeauftragter für Umsetzung eingestellt
- Das Klimaschutzkonzept neu erarbeitet und folgende Maßnahmen schon umgesetzt:
- Nachhaltigkeitsbroschüre veröffentlicht
- Kommunale Wärmeplanung aufgestellt
- Klimaschutz in Bauleitplanung berücksichtigt (Dachbegrünung, PV, Grünflächen)
- Klimanetzwerk Melle: Gründungsprozess durchgeführt und Netzwerk auf die Beine gestellt
- Flächen entsiegelt (Hapke-Kreuzung, Beet Engelgarten, Beet Grönenbergpark)
- Gewässer renaturiert (Strotbach)
- PV auf Dächern (Gebäudemanagement – Umsetzungsstand unbekannt, aber Beispiel Ordnungsamt)
- Die Wärmeplanung früher als gesetzlich verankert aufgestellt und bereits vor der rechtlichen Pflicht des Wärmeplans schon in die Maßnahmenumsetzung gegangen
- Umweltbildungsstandort Bifurkation ausgebaut und das Informationsangebot vergrößert
Mit dem gleichen Elan möchten ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen sowie den verschiedenen engagierten Vereinen, Verbänden und Ehrenamtlichen weitergehen und immer einen Schritt voraus sein. Das bedeutet aber auch, Ressourcen dafür einzusetzen.
Ziele:
- Klimaanpassung mehr berücksichtigen:
- Bäume pflanzen und Kühle-Räume in einer digitalen Karte erfassen; mit Geschäften /Kirchen ins Gespräch gehen und diese aufnehmen; optimal wären hier auch Trinkwasserspender
- Weitere Freiräume umgestalten (Projekte wie Grönenbergpark, Strotbach und Kastanienplatz), die an heißen Tagen als kühle Naherholungsorte genutzt werden können und zu einem besseren Mikroklima beitragen
- Trinkwasserspender stadtweit installieren
- Rückbau von versiegelten Flächen und Schaffung von Grünflächen
Beschattung von Städtischen Gebäuden explizit Schulen
- Erneuerbare Energien stärken und fossile Energieträger verringern
- PV auf eigenen Dächern weiter ausbauen
- Windenergie: positiv begleiten, wo es sinnvoll ist
- Umweltwärme nutzen im Sinne von Abwasser- und Flusswärmenutzung, beispielsweise an der Kläranlage. Wird gerade untersucht und soll im Ergebnis dazu führen, dass die Abwärme in ein Nahwärmenetz eingespeist werden kann und somit der Einsatz von natürlichen Ressourcen oder fossilen Energieträgern gesenkt werden kann.
- Wärmeplanung als Daueraufgabe: gesetzlich verankert, aber mit der Vollzeitstelle viele Möglichkeiten in der positiven Begleitung und aktives Vorantreiben der Wärmewände.
Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie die Wärmemesse, die erstmals am 06. September 2026 im Forum Melle stattfindet, sollen verstetigt werden. Der Wissensaustausch soll damit befördert und der Zugang für die Bürgerinnen und Bürger erleichtert werden.
- Förderung der Sanierungsquote durch Öffentlichkeitsarbeit der Wärmeplanung
- (ggf. Fördermaßnahmen monetärer Art, um die Sanierungsquote anzuregen – könnte ein Schwerpunkt für die nächste Legislaturperiode sein. Steht bisher aber nicht im Haushalt. Wäre aber durchaus sinnvoller, als einzelne Gebiete über KFW 432 zu fördern. Wir müssen an die ältesten Häuser ran, um einen spürbaren CO2-Rückgang zu bewirken. Das kann auch über Energieberatung in Kombination mit Förderung geschehen.)
- Kommunales Energiemanagement nach Kom.EMS soll den Energieverbrauch der städtischen Verbraucher deutlich senken. Damit wird die Grundlage geschaffen, bei gleichzeitiger Absenkung von Kosten den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die Kosten für das erforderliche und bereits eingestellte Personal werden in der Regel durch die Einsparungen gedeckt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Klimaschutz auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
- Weitere Maßnahmen
- Klimanetzwerk etabliert – hiermit eine neue Kraft gestärkt, die neue Initiativen schaffen und Ideen umsetzen kann. Das Netzwerk weiterhin positiv begleiten.
- Weitere Gewässer renaturieren
- Klimaturm modernisieren (wg. fehlender LEADER-Beschlussfähigkeit noch nicht geschehen – soll aber mit anderen Fördermittelgebern passieren)
Klimaschutzkonzept konzentriert sich auf viele mögliche Maßnahmen – wir konzentrieren uns zur Zeit maßgeblich auf Wärmeplanung, Energiemanagement und Freiraumgestaltung, da wir bei diesen Bausteinen den höchsten Effekt sehen. Aber auch die anderen flankierenden Maßnahmen werden durchgeführt.
- schrittweise weitere Umsetzung des Fahrradkonzeptes
- Mögliche Beteiligung an erneuerbaren Energieprojekten
Michael Pischedda (Bündnis 90/Die Grünen)
Liebes Melle for Future-Team,
der Klimaschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Politik. Als Bürgermeister beabsichtige ich, den Klimaschutz fest und nachhaltig im städtischen Handeln zu verankern.
Wichtig ist mir dabei:
- Fortführung und Ausbau der klimapolitischen Maßnahmen (Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Mobilität, Gewässermanagement, Grünflächen).
- Verlässliche Berichte, offene Transparenz und kontinuierliche Bürgerbeteiligung.
- Maßnahmen für einen wirksamen Hitzeschutz und einen konsequenten Hochwasserschutz müssen umgehend angepackt und entschlossen umgesetzt werden. Klimaanpassung darf nicht länger aufgeschoben werden – wir müssen heute vorsorgen.
Stets enger Austausch mit lokalen Initiativen, Vereinen, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen, um konkrete Projekte vorzubereiten und umzusetzen.
Ausbau von örtlichen Lösungen, sozial gerecht und generationenübergreifend.
Ich lade Melle for Future ein, uns bei der Gestaltung und Umsetzung dieses Zieles zu unterstützen – durch Fachwissen, Netzwerkarbeit und konstruktive Begleitung bei Entscheidungen, die Melles Klimaresilienz stärken.
Vielen Dank für euer Engagement!
Vollständigkeitshalber, anbei unser Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2026: Unser Wahlprogramm enthält Ziele und konkrete Maßnahmen, deswegen halte ich mein Statement kurz. Es dient als politische Willensbekundung und als Leitfaden (der gerne auch ergänzt werden darf, kann, muss, als ein kontinuierlicher Prozess) für die Umsetzung im Schulterschluss mit allen demokratischen Kräften.
Mit vielen herzlichen Grüßen und Zuversicht für alles, was vor uns liegt, verbleibe ich…
Michael Pischedda
Marcel Schröter (FDP)
Am Ende meiner Amtszeit sollen die Bürgerinnen und Bürger erkennen können, dass sowohl unsere öffentlichen Gebäude als auch viele private und gewerblich genutzte Immobilien energetisch besser aufgestellt sind.
Die Stadt muss dabei mit gutem Beispiel vorangehen: Wir wollen den Energieverbrauch kommunaler Gebäude senken, geeignete Dachflächen für Photovoltaik nutzen und notwendige Sanierungen wirtschaftlich sinnvoll umsetzen.
Gleichzeitig möchte ich ein städtisches Unterstützungsprogramm für Unternehmen sowie Haus- und Gebäudeeigentümer auflegen. Es soll dabei helfen, passende Modernisierungsmaßnahmen zu identifizieren, Fördermöglichkeiten zu finden und Projekte möglichst einfach umzusetzen.
Davon sollen auch unsere örtlichen Handwerksbetriebe profitieren. Wenn mehr Gebäude in Melle modernisiert werden, schaffen wir zusätzliche Aufträge für Unternehmen aus unserer Region, sichern Arbeitsplätze und halten einen größeren Teil der Wertschöpfung vor Ort.
Mein Ziel ist, dass Gebäude in Melle einen größeren Teil ihrer benötigten Energie selbst erzeugen und insgesamt weniger Energie verbrauchen. Damit stärken wir die energetische Unabhängigkeit, senken langfristig Kosten und verbessern ganz konkret die Klimabilanz unserer Stadt.
Fortschritt beim Klimaschutz zeigt sich für mich deshalb nicht an neuen Konzeptpapieren, sondern an modernisierten Gebäuden, einem geringeren Energieverbrauch, mehr vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie und einer gestärkten heimischen Wirtschaft.
Jörg Oberwestberg (Parteilos)
Lieber Herr Schubert,
Danke, dass Sie so hartnäckig erinnert haben und mir noch Gelegenheit geben, auf Ihre Frage zu antworten. Es ist tatsächlich eine extreme ToDo-Liste, auch weil sich jeden Tag etwas Neues „vordrängelt“. Und die Beantwortung dieser Frage ist ja nicht in 10 Minuten erledigt. Aber jetzt endlich kommen meine Überlegungen:
Die Kurzform lautet:
Die Bürger können es in der Stadt sehen und spüren, dass was passiert ist. Idealerweise würden sie es sogar bei Energiepreisen erfahren, wobei das Thema eines „Stadtwerkes Melle“ ein sehr großes ist. Doch Ideen und Visionen darf man ja haben, um dann die Umsetzung und Wirtschaftlichkeit zu prüfen.
Ich fange mal damit an, was nicht so viel kostet und schneller geht in der Umsetzung, wir haben in diesen Wochen ja leider die Auswirkungen durch Hitze und mangelnden Regen spüren müssen und wie sehr das nicht nur die Menschen, sondern auch die Wirtschaft belastet.
1. Hitzeschutz :
Bäume statt Kübel:
echte Standorte mit Wurzelraum in Innenstadt, Ortskernen und zuerst auf Schulhöfen und Kita-Geländen.
Da Bäume langsam wachsen, übergangsweise modulare analoge Beschattungen.
Trinkbrunnen und sichtbares Wasser:
für Kinder und ältere Menschen der spürbarste Unterschied.
Entsiegeln, wo es geht:
jeder Quadratmeter Asphalt weniger hilft bei Hitze und Starkregen gleichzeitig.
Klima-Inseln in jedem Stadtteil: Schatten, Bänke, Trinkbrunnen, Regenwasserspeicher, so könnte Hitzeschutz und Dorfleben in einem entstehen, gerne angedockt an die Bürgerbüros, die ich vor Ort stärken ubd ausbauen will.
Kühle Orte ohne Konsumzwang: Kirchen, Bürgerbüros, öffentliche Gebäude, öffentlich ausgeschildert
2. Extremwetter – vorbereitet statt überrascht
- Starkregen-Gefahrenkarte für ganz Melle, sowas gibt es, kann man ausbauen: Straße für Straße sichtbar, Grundlage für die Stadt und für jeden Hausbesitzer
- Wasser oben am Hang halten gemeinsam mit den Landwirten per Vereinbarung, nicht per Verordnung; billiger als Schadensregulierung
- Verlässliche Gewässerunterhaltung an Hase, Else und den kleinen Bächen. Ist unspektakulär, entscheidet aber im Ernstfall
- Starkregen-Check in jedem Bebauungsplan wer heute in die Senke baut, produziert den Schaden von übermorgen.
- Krisenfeste Feuerwehr und THW: Notstrom, Material, Ausbildung; die Ehrenamtlichen stehen im Zweifel nachts um drei im Wasser. Sie sollten gut ausgestattet sein.
3. Erneuerbare Energien – Ausbau mit Wertschöpfung vor Ort
- PV auf städtischen Dächern, Schulen und Parkplätzen durch aufgestockte Parkdecks mit PV und Ladesäulen statt neuem Flächenverbrauch. Das Solarkataster ist nach meinem Kenntnisstand nur zu 11 Prozent ausgelastet. Aber natürlich brauchen wir auch ein gutes Lastenmanagement im Netz…PV vs. WEA .
Ausbau Windenergie:
Klare, transparente Kriterien für Flächen
RROP sind bekannt und haben Vorrang,
Doch ergänzend
B-Plan-Flächen prüfen und immer ALLE Beteiligten und Ortsräte früh einbinden;
ehrlich gesagt: da Melle so „zersiedelt“ ist und überall das Thema „not in my backyard“ droht, ist eine gut moderierte Kommunikation sehr wichtig. Da sehe ich als BM auch meinen Part für den möglichst besten Kompromiss und Win-Win für alle und natürlich Melle.
- Wärmeplanung wäre in einigen Jahren umgesetzt, ein Stadtwerk wie gesagt prüfen – mit Bürgerenergie Melle und vorhandenen Versorgern, wirtschaftlich gerechnet statt ideologisch beschlossen.
- Günstiger Strom als Standortvorteil für Unternehmen und Bürger. Zwei Unternehmen der Branche sitzen bereits hier: Klimaschutz, der Arbeitsplätze und Haushalt stärkt, ohne die Betroffenen stark zu belasten. Schwierig, aber dran bleiben am Thema.
4. Radwegenetz – aus jedem Stadtteil sicher nach Melle-Mitte
- Radverkehrskonzept 2024 wäre abgearbeitet, nicht abgelegt, mit veröffentlichter Prioritätenliste und Jahresstand.
- Lückenschlüsse konkret in Angriff nehmen wie Allendorfer, Dratumer, Nemdener Straße; bei Kreis- und Landeszuständigkeit gilt: dranbleiben.
- Schulwege zuerst: die entscheidende Frage ist nicht die Kilometerzahl, sondern ob Eltern ihr Kind allein losfahren lassen.
- Sichere Kreuzungen vor allem anderen: dort passieren die Unfälle.
- Abstellanlagen und E-Bike-Ladesäulen: am Rathaus, am Bahnhof, am neuen Parkdeck; kein Kulturkampf Auto gegen Rad. Wir können den Bürgern ja nicht vorschreiben, wie sie von A nach B kommen, sondern müssen gute Angebote entwickeln, due dann genutzt werden.
5. Die junge Generation – nicht Thema, sondern Stimme:
- Sie erben die Rechnung, also gehören sie an den Tisch – zweimal: beim Klima und beim Geld.
- Jugendparlament stärken: ich will, dass es bei Klima-, Bau- und Verkehrsthemen gehört wird.
- Runder Tisch „Wir von Morgen“ im JUZ B Zehn – analoge plus digitale Umfragen ab 16, über die Meller Schulen, verknüpft mit dem Politikunterricht, um Theorie und Praxis zu verbinden.
6. Nachprüfbarkeit – das ist der eigentliche Unterschied:
- Jährlicher Klimabericht mit Zahlen, wo wir stehen.
- Feste Stelle für Fördermittel: hier lassen wir Geld liegen; wer Klimaschutz will, muss ihn erst finanzieren können.
Also: viele Ideen, ich hoffe, am Ende der Amtszeit ist es so, dass der neue Meller Rat davon etwas umsetzen konnte. Daher wünsche ich mir für Sie:
Sie erkennen es daran, dass „Sie im Juli auf dem Marktplatz im Schatten stehen, dass unsere Kinder sicher nach Melle-Mitte radeln können – und dass Sie im Jahresbericht nachlesen können, wo wir stehen.“
Die Welt ist ein Kompromiss, doch lassen Sie uns gemeinsam gestalten, denn „zusammen geht es besser“.
Liebe Grüße,
Jörg Oberwestberg
Transparenzhinweis: Die inhaltlichen Antworten der Kandidat:innen werden im Originalwortlaut und ungekürzt wiedergegeben. Aus begleitenden E-Mails wurden ausschließlich organisatorische Angaben wie Terminvorschläge, Weiterleitungsdaten und Kontaktdaten entfernt. Die Formatierung wurde zur besseren Lesbarkeit angepasst.